It’s all happening here

by jean on 04/29/2013

Meisterklasse: IT’S ALL HAPPENING HERE

Ein CAS der Hochschule der Künste Bern

Wie aus Events Ereignisse werden

2. STAFFEL August 2013 – Juni 2014

VISION

Ereignisse sind Erfahrungen – Geschehnisse die vor unsere Augen treten (*).

Ereignisse wollen bewegen.

Mit und nach einem Ereignis kann etwas anderes möglich werden. So können Ereignisse dazu da sein, persönliche, soziale, kulturelle Entwicklungsprozesse zu initiieren,
zu inspirieren, zu verändern, zu vervollständigen. Dann bewegen sie Menschen, geistig, körperlich, emotional. Ereignisse stellen einen Dialog her zwischen Raum, Zeit und Menschen, machen Unsichtbares, Latentes spürbar, sichtbar, geben ein Gesicht.

Ein Einblick in diese Grundlagen vermittelt unsere Meisterklasse ITS ALL HAPPENING HERE.

(*)
Der Begriff EREIGNIS stammt von IROUGEN (althochdeutsch: eräugen = vor Augen stellen, zeigen)

Warum

Erfolgreiche Ereignisse erzählen eine Geschichte
Darum steht für uns die Entwicklung von Geschichten im Vordergrund

Erfahrung steht vor Fachwissen
Darum lancieren wir eine Meisterklasse

Irritationen öffnen Lernprozesse
Darum lernen wir auch in unvorhergesehenen Situationen

Spezielle Orte ermöglichen spezielle Erfahrungen
Darum gehören ungewohnte Orte, der Umgang mit Feuer, Erde, Wasser, Luft und die fünf Sinne zu unserer
Praxis

Reflexionen sind unsere Wegweiser in die Praxis
Darum ist der stete persönliche Prozess und der Dialog zwischen den Teilnehmenden fundamental

Theorie braucht mehr als nur Praxis. Sie braucht Erfahrung
Weil für uns die Orienterung am Notwendigen zentral ist, stehen Raum, Zeit, Aufmerksamkeit, kollektives
Empfinden und individuelles Handeln im Vordergrund unserer Arbeit

Kontext

Eventgestaltung befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen der Kreation von Bilderwelten und organisatorischen, ökonomischen und technischen Kriterien. Dabei verschiebt sich heute das Schwergewicht zunehmend in die Bereiche des Marketings und der Produktion.
Die Meisterklasse IT’S ALL HAPPENING HERE versucht die emotionalen und inhaltlichen Grundlagen von Ereignissen wieder vermehrt ins Bewusstsein zu rufen, ohne die technischen und ökonomischen Aspkete dabei zu vernachlässigen.
Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten, sondern als Ergänzung, welche dank des ganzheitlichen Modells der EREIGNISGESTALTUNG© alle Bereiche dieses Spannungsfeldes in ein Zusammenspiel bringt.

Lernziele

Die Teilnehmenden lernen in Begleitung von ausgewiesenen Fachleuten den gesamten Prozess der EREIGNISGESTALTUNG© kennen und anwenden. Die TeilnehmerInnen qualifizieren sich in den folgenden Bereichen:

- VISIONIERUNG: Ideen, Anliegen und Vorstellungen verschiedenster Herkunft wahrnehmen, interpretieren und als nachhaltige Botschaften konzipieren
- INSZENIERUNG: Geschichte erzählen, verschiedene Methoden und Medien der Umsetzung von Botschaften entwickeln
- PRODUKTION: projekt- rsp. ereignisbezogen die Zusammenarbeit über verschiedene Bereiche (Technik, Gestaltung, Logistik, Budgets etc.) hinweg planen, organisieren , leiten und durchführen
- EVALUATION: Ereignisse in Bezug auf Zielsetzungen und Wirkungen evaluieren

Wir gehen davon aus, dass das Gleichgewicht der vier Prozessebenen Grundlage für eine erfolgreiche Ereignisgestaltung ist.

Methodisch gehen wir von der Kompetenzentwicklung durch die TeilnehmerInnen aus (Portfolioprozess). Die Praxis basiert auf der handwerklichen Vermittlung durch Meister der einzelnen Disziplinen. In Verbindung mit den von den TeilnehmerInnen bereits mitgebrachten Kompetenzen (Vorkenntnisse und Qualifikationen) kommen dabei die nachstehenden Lernebenen zum Tragen:

- Erarbeitung und Weiterenentwicklung eines eigenen und berufsspezifischen Kompetenzprofils
- Erarbeitung und praktische Anwendung des Modells der EREIGNISGESTALTUNG©
- Entwicklung einer handwerklichen Praxis entsprechend dem eigenen Kompetenzprofil

Um dieses Ziel zu erreichen verwenden wir unterschiedliche Techniken und Methoden wie Prozessgestaltung, persönliche Portfolio-Arbeit, Projektmanagement, Techniken des Entwurfs, des Geschichtenerzählens, Labor der Sinne, Performance- und Improvisations-Methoden, Reflexions- und Evaluationsmodelle. Wichtig ist uns dabei Interdisziplinarität und erfahrungsorientiertes Lernen.

Dauer und Umfang

Die MEISTERKLASSE IT’S ALL HAPPENING HERE wird zum zweiten Mal von August 2013 bis Juni 2014 durchgeführt und wird von der HKB mit 16 ECTS bewertet. Die Unterrichtszeit beträgt 40% der effektiven Ausbildungszeit, die übrige Zeit (60%) ist als Studywork einzuplanen.
Eine Klasse umfasst mindestens 8 Studierende.

Die Kursmodule

Das Studium der MEISTERKLASSE ist in Module gegliedert, welche die einzelnen Themenfelder der Ereignisgestaltung abdecken. Es setzt sich aus 3 Teilen mit insgesamt acht Modulen zusammen.
Die Teile 1 & 2 können auch einzeln belegt werden. Der Besuch von Teil 3 setzt das erfolgreiche Absolvieren der Teile 1 & 2 voraus. Wer den ganzen Kurs IT’S ALL HAPPENING HERE absolvieren will und die erforderliche berufliche Praxis in einem künstlerisch-gestalterischen Bereich nachweist, kann die handwerkliche Praxis überspringen und direkt zu Teil 3 gehen.

TEIL 1 INHALTLICHE & METHODISCHE GRUNDLAGEN 5 ECTS
Modul 1 LOGBUCH (Arbeitsjournal) 3 Tage 24 Lektionen 2 ECTS
Modul 2 Kompetenzentwicklung 2 Tage 16 Lektionen 1.5 ECTS
Modul 3 Ereignisgestaltung 2 Tage 16 Lektionen 1.5 ECTS

TEIL 2 HANDWERKLICHE PRAXIS 6 ECTS
Modul 4 Handwerkliche Praxis I 3 Tage 24 Lektionen 2 ECTS
Modul 5 Handwerkliche Praxis II 3 Tage 24 Lektionen 2 ECTS
Modul 6 Handwerkliche Praxis III 3 Tage 24 Lektionen 2 ECTS

TEIL 3 REALISATION & ABSCHLUSSARBEIT 5 ECTS
Modul 6 Kommunikation 2 Tage 16 Lektionen 1.5 ECTS
Modul 7 Projektmanagement 2 Tage 16 Lektionen 1.5 ECTS
Modul 8 Abschlussarbeit 3 Tage 24 Lektionen 2 ECTS
und individuelles Coaching

Total 23 Tage / 184 Lektionen / 16 ECTS

Die Module 1-6 sind allgemein zugänglich und können grundsätzlich von jedermann mit den entsprechenden Voraussetzungen (Bachelor oder gleichwertige Abschlüsse/Praxis) absolviert werden. Die Module ergänzen zudem das bestehende Studienangebot der HKB durch spezifische Arbeitsinstrumente (LOG-BUCH, Portfolioarbeit) sowie handwerklich-praktische Arbeitsfelder (Bühnentechnik, Fünf Sinne etc.).
Beschrieb der einzelnen Module in separaten Flyers.

Zulassung

Die MEISTERKLASSE IT’S ALL HAPPENING HERE richtet sich in erster Linie an Absolvierende aus “Kommunikationsberufen”, insbesondere aus den Fachgebieten Kommunikation, Design, Architektur und Innenarchitektur, Kunst, Theater sowie aus den Bereichen Sponsoring, Kulturmanagement, Tourismus, Mediengestaltung und PR. Angesprochen sind Interessierte, welche für die konkrete Umsetzung von Anliegen in der Ereignisgestaltung (private und öffentliche Ereignisse, kulturelle und kommerzielle Anlässe, Festivals etc.) mit kompetenten Persönlichkeiten zusammenarbeiten und sich weiterbilden wollen.
Voraussetzung für eine Teilnahme an der Meisterklasse ist eine solide Grundausbildung (in der Regel Bachelor, Master, Bewerbung sur dossier ebenfalls zulässig).

Die Bewerber und Berwerberinnen dokumentieren im Bewerbungsschreiben ihre Motivation und Qualifikation für die Meisterklasse It’s all happening here.

Orte

Unsere Basis ist der Sitz der HKB in Bümpliz–Nord (Bern). Daneben findet der Kurs an verschiedenen Orten in der Schweiz statt. Dabei spielt der im Wechsel URBAN – NATUR eine wichtige Rolle.

Mit wem

Rolf Derrer, Jan Eckert, René Fankhauser, Adrian Marthaler, Pascal Nater, Jean Odermatt, Yvonne Scherrer, Jörg Zielinski

Daten und Einführung

Das Studium ist berufsbegleitend und findet in der Regel jeweils am Freitag und Samstag statt:

23. – 25. August 2013 (3 Tage, Einführung)
27. – 28. September 2013
25. – 26. Oktober 2013
22. – 23. November 2013
17. – 19. Januar 2014 (3 Tage, Praxis Licht)
07. – 09. März 2014 (3 Tage, Praxis Fünf Sinne)
11. – 13. April 2014 (3 Tage, Praxis Materialien)
10. – 11. Mai 2014
19. – 21. Juni 2014

Anmeldeschluss und weitere Infos

Anmeldeschluss 2. Staffel: 15. Juni 2013
Weitere Informationen und Anmeldeformular unter:
www.hkb.bfh.ch und dem Dossier des Meisterkurses

Kosten

CHF 6000.- plus CHF 150.- Einschreibegebühr.
Die Kosten für die einzelnen Module sind in den separaten Ausschreibungen ersichtlich.

Studiengangsleitung

MA Jean Odermatt, Künstler und Soziologe
jean.odermatt@geschehen.ch

siehe auch: www.jeanodermatt.com

LINK zum DOSSIER DES MEISTERKURSES

HÄUFIGSTE FRAGEN

Warum eine Meisterklasse?

Der Begriff MEISTERKLASSE ist Ausdruck dafür, dass die Absolventen einen möglichst intensiven Kontakt zu den Dozenten erhalten, welche ihrerseits in ihrem Fachbereich über einen ausgezeichneten Leistungsausweis verfügen. Im Vordergrund steht der persönliche Erfahrungsgewinn des einzelnen Absolventen während der gesamten Dauer der MEISTERKLASSE.

Was ist das Besondere an der Meisterklasse ?

Wir nehmen Interdisziplinarität beim Wort. Die Dozenten kommen aus ganz verschiedenen Fachbereichen und unterschiedlichen Netzwerken. Gemeinsam ist ihnen das Anliegen, Wissen um komplexe Sachverhalte und jahrelang erarbeitete praktische Erfahrungen in aussergwöhnlichen Lernsituationen weiterzugeben.

Wie verhält sich formal eine Meisterklasse zu andern MAS rsp. CAS?

Die MEISTERKLASSE It’s all happening here der HOCHSCHULE der KÜNSTE BERN HKB wird mit 10 ECTS bewertet und entspricht einem CAS. Die MEISTERKLASSE wird analog andern MAS und CAS entsprechend anerkannt.

Was ist ein Storyboard Lab?

Es versteht sich als ein Experimenierfeld, in dem Technik und Praxis des Geschichtenerzählens entwickelt und trainiert werden. Dabei werden alle möglichen Formen thematisiert, wie eine Geschichte erzählt werden kann: mittels Sprache, Zeichnen, Filmen, Körpersprache etc.

Was wird am Schluss präsentiert? Was ist das Endergebnis?

Am Schluss werden konkrete Projekte der einzelnen Teilnehmer öffentlich umgesetzt, teilweise in Zusammenarbeit mit externen Partnern.

Lassen sich auch eigene Eventprojekte als Cases in die Ausbildung integrieren?

Eigene Projekte – von der kommunikativen Grundidee bis zu deren Umsetzung und Auswertung – sind fundamentale Bestandteile des Kurses.

Alle Dozenten kommen aus der Praxis und das Anliegen der MEISTERKLASSE ist die Befähigung zur Praxis.

Muss ich im Eventbereich bereits Erfahrungen haben?

Grundsätzlich ja. Im Vordergrund soll jedoch bei jedem Teilnehmer Lust und Engagement stehen, Geschichten zu erzählen, der Wille, Botschaften zu Ereignissen zu machen und diese auf vielfältige Art themengerecht zu inszenieren.

Was ist der Unterschied zwischen IT’S ALL HAPPENING HERE und SZENOGRAFIE?

IT’S ALL HAPPENING HERE umfasst die gesamte kommunikative Palette, vom kommunikativen Grundbedürfnis über die Grundidee für ein Ereignis, die Umsetzung, die inszenatorischen Mittel wie auch die Evaluation des Ergebnisses.

Szenografie fokussiert demgegenüber die Mittel der Umsetzung und ist Teil des gesamten Ereignisses.

Wie weit geht das Programm auf Ausstellungsgestaltung/-architektur ein? Ist dies ein Thema?

Ausstellungsarchitektur ist häufig Teil der zu inszenierenden Botschaft. Ausstellungsarchitektur unterscheidet sich in erster Linie durch die Funktion und vor allem die zeitliche Dauer des Ereignisses. Die Übergänge sind allerdings fliessend.

Wer kann an der Meisterklasse teilnehmen?

Die Meisterklasse richtet sich an AbsolventInnen aus den Fachgebieten
-       Kunst
-       Theater
-       Kommunikation
-       Design
-       Architektur
-       Innenarchitektur
sowie aus den Bereichen
-       Sponsoring
-       Public Relation
-       Marketing & Werbung
-       Eventorganisationen
-       Kulturmanagement
-       Medien
-       Tourismus
Angesprochen sind InteressentInnen, welche für die konkrete gestalterische, handwerkliche und technische Umsetzung von Botschaften zu nachhaltigen Geschehnissen (private und öffentliche Ereignisse, kulturelle und kommerzielle Anlässe, Festivals etc.) mit kompetenten Persönlichkeiten zusammenarbeiten und sich weiterbilden wollen.

Wir gehen davon aus, dass die TeilnehmerInnen bereits über eine solide Grundausrüstung sei es in gestalterischer, handwerklicher oder sozialer Hinsicht verfügen. Aufgabe der MEISTERKLASSE ist es, in der Sache konkreter und in der Person persönlicher zu werden.

Bei entsprechender Qualifikation ist aber auch eine Bewerbung auf Grund eines Dossiers (“sur dossier”) zulässig.

Kann ich mich auch ohne Bachelor-. rsp. Masterabschluss bewerben?

Grundsätzlich ja. Ohne Abschluss ist eine Bewerbung auf Grund eines Dossiers “Sur dossier-Verfahren” möglich. Dabei handelt es sich um eine Kompetenzbilanz, in der der Kandidat/Kandidatin Berufserfahrung, Aus- und Weiterbildung und sonstige Lebenserfahrungen nachweisen kann, welche einem Fachhochschulstudium ebenbürtig sind.

Gibt es Alterslimiten für eine Teilnahme an der MEISTERKLASSE?

Nein.

Wird laufend aktualisiert. Letztes Update: 29. April 2013/JO

Was sonst noch zu sagen wäre:

Wir suchen Dilettanten und Amateure
für eine Meisterklasse.

(Wir haben genug Spezialisten.)

Amateur (frz.): einer, der etwas liebt

Dilettant (ital.): einer, der an etwas Freude hat

Die Meinungen des Spezialisten kommen von aussen, aus dem, was er gelernt hat.

Der Amateur ist am stärksten da, wo er sie aus sich selbst geholt hat, aus seinem Charakter, aus seinem Temperament, aus seiner Erfahrung.

NOTIZ:

Wenn die Welt noch zu retten ist, so wird sie von den Amateuren gerettet werden. (Erwin Chargaff)

” Wenn die Welt noch zu retten ist, so wird sie von den Amateuren gerettet werden. Die Spezialisten sind mehr als alle anderen verantwortlich für die desolate Lage, in der wir uns befinden. Sie wissen über wenig zuviel, aber jeder weiß etwas ganz Besonderes. Sie können kaum einander verstehen; sie reden auch nicht miteinander; sie sitzen stumm und dienstbar da. Für die Laienwelt sind sie von sehr begrenztem Nutzen. Will man ihre Weisheit anzapfen, muss man die richtige Stelle des betreffenden Spezialfasses sehr genau kennen – die Fässer sind mit unzähligen falschen Hähnen besetzt, aus denen nichts als heisse Luft kommt. Nur ein einziges Spundloch steht wirklich mit der Quelle des Spezialwissens in Verbindung, und hier wird der Interessent mit einer üppigeren Dosis Wissen durchnässt, als ihm lieb ist.

Amateur und sein Milchbruder Dilettant sind zwei eigenartige Wörter. Das eine kommt aus dem Französischen und bedeutet: »Einer, der etwas liebt«; das andere stammt aus dem Italienischen und heißt eigentlich »Der, den etwas entzückt«. Es sind alte Wörter, die lange Zeit einen ganz und gar positiven Sinn hatten, doch gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts, als sie ins Englische, Deutsche und andere Sprachen eingingen, bekamen sie einen abschätzigen Beigeschmack, man sprach sie halb gönnerhaft, halb höhnisch aus. Der Aufstieg der neuen Vorstellungen von Professionalität, Expertentum, Spezialisierung war es, der den Schatten der Inkompetenz auf die alten, unschuldigen Wörter warf. Ob Wörter Vorstellungen erzeugen oder von ihnen erzeugt werden, darüber läßt sich lange streiten. Unsere faule und geschäftige Welt jedenfalls ist eine Welt der Experten, und erst der vollständige Zusammenbruch unserer Zivilisation wird den wenigen Überlebenden klarmachen, dass es um ein ganz anderes Wissen hätte gehen müssen, um eines, worüber kein Spezialist sie hätte belehren können.

Ursprünglich hätte sich sagen lassen, dass der Gegensatz zum Amateur der – wie es früher hieß – Professional war; der Gegensatz zum Dilettanten der Virtuose. Doch »Dilettant« klingt mittlerweile, zumindest für meine Ohren, noch viel stärker abwertend als »Amateur«. Wenn ich beispielsweise sage, dass unsere Regierung sich aus Publicity-Spezialisten zusammensetzt, die ihre Regierungsgeschäfte dilettantisch führen, bedeutet das kein Kompliment.

Hinter meiner kleinen Meditation verbirgt sich der Appell an jedermann, sich freizumachen von der lächerlichen Ehrfurcht vor dem Spezialistentum, die uns allen eingebleut wird. Die Probleme des Lebens und des Todes, die Fragen der Aufrichtigkeit und der Lüge können von Spezialisten nicht gelöst und beantwortet werden. Wir müssen uns daran erinnern, dass bessere Zeiten an die unsterbliche Seele des Menschen geglaubt haben, und wenn man mich darauf aufmerksam macht, dass die exakten Wissenschaften nicht in der Lage gewesen sind, die Existenz einer Seele zu demonstrieren, und uns statt dessen eine dürftige Psyche vorstellen (vom Leben zerknittert, von Experten geglättet) dann kann ich nur sagen: Um so schlimmer für die exakten Wissenschaften. Sie sollten dabei bleiben, das Messbare zu messen, und gut achtzugeben, dass – beispielsweise – die Konzerne nicht ihre schwere Pranken auf die Waage legen, wo Erdreichproben gewogen werden, denn sonst  kommt der Dioxingehalt der landwirtschaftlichen Nutzflächen viel zu gering heraus, wie es oft geschieht.

Man erzählt uns, das Geschäft des Lebens sei so komplex geworden, dass wir es nur mit Hilfe zahlreicher und erlesen geschulter Spezialisten betreiben können. Dass das Leben so kompliziert ist, ist merkwürdig, denn selbst den Spezialisten gelingt es, aufs schlichteste zu sterben. Der Tod scheint in der Tat die einzige menschliche Funktion, die noch nicht vom Fortschritt überholt worden ist. In diesem Zusammenhang wirkt es doch fast als Widerspruch, wenn der einzige Beruf (wenn es einer ist), in dem der Dilettantismus wahrhaft blüht, der des Politikers oder Staatsmannes ist. Wer zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden möchte, darf beispielsweise nicht den Anschein erwecken, er wisse über irgend etwas zuviel; doch dieses Bild fotogener Unschuld herzustellen kostet mehr Geld, als der Demokratie guttut. Die aalgleiche Fähigkeit, zwischen Vergötterung und Impeachment hindurchzurutschen, als Interessenmakler zahlloser Lobbys aufzutreten (die alle ihren Beitrag in die Kriegskasse gezahlt haben) – sie ist eine so seltene Begabung, dass man den wenigen erfolgreichen Präsidenten die zehn Prozent Provision an historischem Ruhm überlassen kann, die ihnen in den Geschichtsbüchern ausgezahlt werden, wenn sie sie auch selten verdienen.

Ist er einmal zum Präsidenten gewählt, wird der Amateur seine Nacktheit sogleich hinter einer grimmen Phalanx von Spezialisten verbergen. Von nun an gilt er als allwissend, und obwohl sich der arme Kerl lieber den ganzen Tag Western ansehen würde, muss er Fragen über den Demokratisierungsprozess in Ländern beantworten, deren Namen er kaum buchstabieren kann. Und wenn, wie das gelegentlich vorkommt, der nationale Sicherheitsberater ebenfalls seinen Atlas verlegt hat, mag es zu Problemen kommen.

Die Amateure, deren Lob ich singe, sind anderer Art. Wie schon gesagt: Das sind Sie und Sie. Tatsächlich sind es alle, denn selbst der trockenste Spezialist ist außerhalb seines Gebiets nur ein Laie und kann auf einigen Feldern des Wissens oder Handelns auch Amateur sein. Ich denke hier nicht unbedingt an jemanden, der mit gelegentlichen Stockungen Flöte spielt. Wir leben in einer geordneten stratifizierten, bescheuklappten Welt. Für mich ist der Amateur jener, dem keine Scheuklappen passen. In unserer Zeit der Meinungsindustrie ist die Unfähigkeit, Scheuklappen zu tragen, ein heroischer Akt – der private Widerstand gegen die öffentliche Meinung ist eine Voraussetzung wirklich menschlicher Existenz.

Während die Meinungen eines Spezialisten von außen kommen, aus dem, was er gelernt hat, sind die des Amateurs am stärksten da, wo er sie aus sich selbst geholt hat, aus seinem Charakter, seinem Temperament. Er wird sich mit sich selbst beraten und nicht mit der öffentlichen Meinung oder ähnlich korrupten Orakeln eines Delphi der Konzerne. Ein Amateur kann nur der Einzelne selbst sein; ein Berufsverband der Amateure ist undenkbar.

Unhörbarkeit ist das hauptsächliche Tribut des Propheten. Es besteht wenig Hoffnung, dass die Amateure – fast per definitionem nicht organisierbar – sich vor dem enormen Hintergrundgeräusch unserer Epoche Gehör verschaffen können. Selbst wenn sie den Lärm überwinden könnten, würde man sie nicht verstehen und ihnen nicht folgen. Es geht nicht um einen frontalen Angriff auf die unzähligen Organisationen hinter Buchstabenkürzeln, nicht das erhoffe ich mir – es kann nur um eine Unterweisung von Mund zu Ohr, oder besser: Von Herz zu Herz gehen, einen Vorgang zwischen einzelnen Personen. Wenn genügend Einzelne das Gefühl haben, dass sich unsere Zivilisation in eine höchst unbehagliche Sackgasse hineinmanövriert hat, wird etwas geschehen. Die Form, welche die Veränderung annehmen wird, kann ich nicht vorhersehen. Wird sie spartanisch sein, asketisch, anarchisch? Ich weiß es nicht.

Weshalb habe ich gesagt, dass die Welt von Amateuren gerettet wird? Aus zwei Gründen: Erstens steckt in jedem Pessimisten ein kleiner, strahlender Optimist, der auch einmal zum Zug kommen möchte, und zweitens kommt es gelegentlich – wenn auch sehr selten – vor, dass sich etwas Wichtiges zum ersten Mal ereignet. Und die Revolte gegen den Spezialisten braut sich schon seit langem zusammen – mehr und mehr Menschen begreifen, dass es viel schlimmer als reine Unwissenheit ist, wenn man zur falschen Zeit die falschen Dinge weiß. ”

Erwin Chargaff, Prof. Dr. phil., Professor der Biochemie, geb. 1905 in Czernowitz; gestorben 2002 in New York war österreichisch-amerikanischer Chemiker und Schriftsteller.

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